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Autorin für Radio Ö1
   
           

You wish to see; Listen.

Jahrelang hat man als Dokumentarfilm-Cutterin visuelles Material schwergewichtig hin und her geschoben, hat Bilder aneinandergehängt, gruppiert und umgruppiert - hat versucht, mit diesem oft sperrigen Werkstoff kohärente Geschichten zu erzählen.
Und jetzt: eine Befreiung. Man lässt das Bild einfach weg. Nur noch Ton, leicht, beweglich, frei... Der Ton, der das Bild erzählt, visualisiert, in Gedanken entstehen lässt - viel bunter, vielschichtiger und klarer als so manches pixelreich-geschwätzige Filmbild.

Der Ton kann unzählige Spuren haben und Spuren ziehen. Er kommt aus verschiedenen Richtungen, man erschreckt oder ist überrascht, weil man ihn nicht hat kommen sehen.
Der Ton macht Schluss mit talking heads und macht dennoch Mimik und Gestik sichtbar. Der Ton erzählt Räume, die kein Filmset der Welt je bauen könnte. Der Ton flüstert jedem ein anderes Bild zu, jedem sein eigenes, richtiges Bild.

Radio machen ist, wie zu den Ursprüngen des Films zurückzukehren. Vielleicht, weil es eine sehr archaische Art ist, Geschichten zu erzählen. Wenn sich am Abend alle ums Lagerfeuer versammeln und einer einzigen Stimme zuhören.

Radiomachen heißt auch: wieder analoges Arbeiten. Recherchieren und Lesen und Schreiben. In Archive kriechen und mit Neuem herauskommen. Collagen zusammenkleben und Montagen erfinden: aus Texten und Wortspenden und Atmos und Soundtracks.

Radio ist orts- und materiegebunden. Das Funkhaus, in dem Menschen ins Studio gehen, um zu senden. Die eigene Küche, wo das Radiogerät steht, um zu hören. Zu festgelegten Uhrzeiten. Dann hält man mit dem Zwiebelschälen inne. Und hört Radio. Ohne Popkorn und ohne Werbung. Einfach Radio.

 

Die Sendung "Diagonal" ist jeweils Samstag, 17.05 bis 19.00 auf Ö1 zu hören.

 

 
   
   Radiomacherin Delia Derbyshire 1964