Radio ist Kultur

Ö1, Radio Wien und FM4 besitzen gewachsene Senderidentitäten, die sich im direkten Austausch mit dem Hörerpublikum entwickelt haben. Mit dem Ausbau des Funkhauses als Kulturstandort und urbaner Treffpunkt haben Ö1 und FM4 an Quoten und Hörerbindung stetig zugelegt. Für diese Sender ist – anders als bei rein kommerziellen Radios – der Ort, an dem Radio gemacht wird, ausschlaggebend für die Art, wie Radio gemacht wird. Auch der Stadtsender Radio Wien gehört ins Stadtzentrum. Nicht an den Stadtrand, noch dazu mit schlechter Verkehrsanbindung für Gäste.

Mit dem Verkauf des traditionsreichen Funkhauses  ginge ein Stück des österreichischen Kulturerbes verloren. Durch die Zusammenlegung der Standorte wäre die Programmvielfalt innerhalb des ORF in Gefahr, sein öffentlich-rechtlicher Auftrag in Frage gestellt.

Kein RadioKulturhaus und kein Radio-Symphonieorchester ohne Radios

Die angekündigte Erhaltung des RadioKulturhauses und der Verbleib des Orchesters im Funkhaus bedeuten nicht die Erhaltung des Kulturstandorts. Denn die Sender und ihre Kulturveranstaltungen gehören zusammen. Ein RadioKulturhaus ohne Radio macht keinen Sinn und hat schlechtere Überlebenschancen.

 
Radio ist Information

Das Redakteursstatut verpflichtet die ORF-RedakteurInnen zur Wahrung journalistischer Unabhängigkeit und Qualität. Diese sehen nicht wenige Journalisten und Journalistinnen durch eine Zusammenlegung der Standorte auf den Küniglberg ernsthaft gefährdet. Masse statt Klasse in den ORF-Programmen ist keine Investition in die Zukunft. Wir fordern mehr Ressourcen für den öffentlich-rechtlichen Kernauftrag.
 

Radio ist Kommunikation

In einer vernetzten Mediengesellschaft profiliert sich öffentlich-rechtliches Qualitätsradio als Plattform und Angelpunkt für zivilgesellschaftliche Anliegen. In einer immer virtuelleren Medienwelt braucht es einen glaubwürdigen Ort, an dem Informationsaustausch und kreative Kooperationen  zwischen MedienmacherInnen, ExpertInnen, Kulturschaffenden und dem interessierten Publikum stattfinden können.

Das Funkhaus in der Argentinierstraße bietet als Standort ideale Voraussetzungen. Mitten in der Stadt, am Schnittpunkt der Achsen von Wissenschaft, Kultur und Politik, ist dieses Haus ein Brennpunkt für engagierten Journalismus und eine kritische Öffentlichkeit.

http://manifest-fuer-den-rundfunk.at/manifest-2/


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http://manifest-fuer-den-rundfunk.at/unterstutzen/

 

 

Following Film

Ein wunderschönes, trauriges, ehrliches Mission Statement von Christoph Huber auf seinem neuen Blog. Nach fünfzehn Jahren Arbeit als führender Filmkritiker für die "Presse", hat er sich aus diesem business verabschiedet, um nun Kurator im Filmmuseum zu sein.

"The ongoing crisis of print media in the face of the world wide web has led to a marketing-driven mainstream mono-culture, in which film is mostly discussed from all possible other viewpoints: box office, alleged innovations (which on closer inspection turn out to be another pretty old hat), or the undying zeitgeist approach–recently taken apart by David Bordwell in one of his brilliant blogs–and other forms of opinionated statements that are based on many things except an understanding of film. One of the fallacies of the current mainstream media devolution is that the opinion-leader approach still holds water. But in the age of internet opinions abound in such multitude, that they have become an almost useless quantity. What is needed is a stance and substance–a type of writing that has mostly moved to the internet now as well, although it can be difficult to find in the mass of options. This blog will try to make contributions on both counts, adding pointers to relevant sites and articles to the posts. One of the reasons I left my old job behind is the impression that knowledge of film was more and more seen as a hindrance than a necessity by the powers-that-be. On this blog I want to move in the opposite direction."

Lesen und folgen unter http://blog.filmmuseum.at

 

 

SAVEFILM.ORG

Leading British artist Tacita Dean takes listeners with her on a mission to save a language. Not the kind that is spoken in a remote community, but an artistic one – photochemical film.

She travels to UNESCO in Paris, to the Department of Intangible Cultural Heritage, to persuade the world’s heritage keepers to act fast or lose what she considers the most important form of artistic expression of the 20th century.

As photochemical film heads for extinction, superseded by digital technologies, Tacita makes a compelling case for why people should do all they can to keep it alive.

“What I love most about film is the spontaneity and the blindness. When I made the work FILM for Tate Modern’s Turbine Hall, everything was filmed inside the camera: different shapes, objects and architecture were effectively stencilled with light onto the emulsion, which was put through the camera multiple times. I couldn’t see what I was doing so when I saw the results, it was full of both miracle and disappointment. Some things far exceeded what I could have done deliberately… and that’s the point: digital is too deliberate, too intended. It’s like working with the lights on the whole time and I am someone who craves the darkness too, and by that I mean I solicit the chance and the accident. This is one of many unintended losses that have happened with the transition from film to digital, but it is what I love the most in film and cinema: the in-between things, the things we don’t imagine that just happen: what constitutes its poetic texture: the spontaneity, the mistakes, the silence and the blindness. This is where the emotion is born.”

click here to listen

 

Filmförderung 1982

"Müssen die geförderten Filme vom Fonds aus auf 35mm gedreht werden?

Es sollte vorzugsweise passieren! Das Format 35mm ist schließlich eine Garantie dafür, daß die optische Qualität dem Kinostandard entspricht. Wir haben auch einige Projekte, die auf Super-16 gedreht und später auf 35mm aufgeblasen werden. Da bedarf es natürlich einer ganz besonderen Qualität des Kameramannes! Im kleinen Format wird der kleinste Fehler sichtbar. Auf Dauer sind die Filmschaffenden nicht gut beraten, wenn sie beim kleinen Format bleiben. Wir sollten eigentlich einen optischen Standard erreichen wie die internationalen Filme, damit das Publikum nicht schon an dieser Schwelle scheitert. Man sollte keine Nachsicht üben: das Publikum soll den österreichischen Film akzeptieren ohne das berühmte "Aber". Unsere Aufgabe ist klar auf den Kinofilm gerichtet."

- Auszug aus "filmschrift Nr. 10, September 1982", Interview mit Gerhard Schedl, Leiter des österr. Filmförderungsfonds

 

 

Wie bleibt der Rand am Rand

Das Buch des Augustin-Mitbegründers und –journalisten Robert Sommer kann als Versuch beschrieben werden, eine auf dem Feld der sozialen Arbeit nicht sehr verbreitete These zu erhärten. Die These, dass das gegenwärtige Gesellschaftssystem zu seinem weiteren Bestand eine ausreichend breite, nicht integrierbare Randschicht brauche.
Dass also trotz aller Integrations-Rhetorik Institutionen wirksam bleiben, die diese marginalisierte und vielfach stigmatisierte soziale Schicht immer aufs Neue reproduzieren. Das Stadtmanagement, das System des staatlichen Strafens, die Institution der Psychiatrie, die Heime als Teil der «totalen Institutionen» sind einige dieser Ausschluss-Maschinerien. Das Buch erhebt keinen wissenschaftlichen Anspruch; seine Sprache erreicht gnädigerweise kaum wo das akademische Niveau. Es basiert auf den Gesprächen des Autors mit Augustin-Verkäufer_innen in den 16 Jahren des Bestehens der Straßenzeitung und auf Schlussfolgerungen seiner Aha-Erlebnisse. So gesehen ist Sommers Buch auch ein Schlüssel zum Verständnis der «Philosophie» des Gesamtkunstwerks Augustin. Und es ist auch eine Hommage an die clochardesken «Urgesteine» des Projekts, die ausführlich im O-Ton zu Wort kommen.

(Robert Sommer: "Wie bleibt der Rand am Rand", Mandelbaum Verlag)

 

 

Wien, Donaukanal

(NZZ)

Die Vorbereitungen begannen: Ein 120 Meter langes Drahtseil wurde in einer Höhe von 40 Metern über den Fluss gespannt. Eine Kommission des Wiener Magistrats überprüfte die Verankerungen des Seils und erteilte die Erlaubnis zur Vorführung für die Dauer eines Monats, wollte der Akrobat seine Künste doch an möglichst vielen Tagen und vor möglichst viel Publikum darbieten.
Am Freitag, dem 17. Juni 1949, war es so weit: Josef Eisemann ging das erste Mal über den Donaukanal. Es herrschte prächtiges Sommerwetter, schön und windstill, und die Zuschauer waren begeistert von dem 37-jährigen Artisten, der scheinbar mühelos in derart grosser Höhe – ohne Fangnetz – dahinschritt.
Doch so gelungen der Auftakt auch gewesen war, in den folgenden Wochen erwies sich das Wetter als überaus unbeständig und wechselhaft. (...)

(Auszug aus: "Stadt unter Schock", Peter Payer für die NZZ)

 

 

Second Sight


dir.: Alison McAlpine, 51 min., English and Gaelic, 16mm and Digital, 5.1 Surround Sound

For residents of the remote Isle of Skye, seeing dead people isn't all that extraordinary. At least that's the implication of this delightful documentary by Canadian Alison McAlpine, who says she was inspired by images of Scotland from her childhood and hearing stories from her great-grandmother. The filmmaker mixes footage of the gorgeous and haunted Skye landscape with supernatural lore gleefully recounted by the island's older inhabitants, such as the octogenarian ex-preacher Donald Angus MacLean, who introduces us to some of his equally idiosyncratic friends. MacLean and company regale us with spooky stories and tall tales, such as that of the "ghost car," or encounters on lonely roads with mysterious moving shapes. It all harks back to a time when oral tradition was the main form of entertainment. Though McAlpine calls the film a "nonfiction ghost story," it's just as much about old age as experienced by people who grew up in pre-media days in a far-away corner of the world. This is the first film by McAlpine, who has previously written poetry and worked in the theater.

(Walter Addiego, San Francisco Chronicle, alisonmcalpine.com)

 

 

Tyneham House

The Dorset village of Tyneham was one of the many British communities devastated by World War Two. Unlike Coventry or East London, however, its damage came not from Axis bombing but from the British Government. Requisitioned by the army for training manoeuvres, the village’s inhabitants were all evacuated in 1943, and after the war none were allowed to return. Tyneham still exists today as a ruinous ghost village, a home for wildlife and spent shells, stranded in a military firing range.
(via oh comely)

Land access around Tyneham was opened up in the 1970s, but admission to the house remains strictly verboten. Those who’ve been found around the premises, especially anyone wielding a camera, have felt the full weight of military trespass law. Tyneham today is regarded as a nature reserve by some – as a national embarrassment by others. It’s still a political hot potato, in Dorset at least.

Second Language present a podcast to accompany the beguiling agrarian enigma that is Tyneham House. Interleaved with field recordings and typically bucolic extracts of music from the album, a handful of artist friends of the reclusive Tyneham House creators reminisce evocatively about growing up in small rural towns and villages. Out of the rustling, sun-dappled atmosphere, a theme slowly emerges: the Proustian mystery of lost time and place and how the free spirit and wonderment of childhood grapples with the beauty and oppression of the countryside...
(via Second Language Music)

 

 

Toska


(Nabokov Museum)

Toska: noun; Russian word roughly translated as sadness, melancholia, lugubriousness.

"No single word in English renders all the shades of toska. At its deepest and most painful, it is a sensation of great spiritual anguish, often without any specific cause. At less morbid levels it is a dull ache of the soul, a longing with nothing to long for, a sick pining, a vague restlessness, mental throes, yearning. In particular cases it may be the desire for somebody of something specific, nostalgia, love-sickness. At the lowest level it grades into ennui, boredom.” - Vladimir Nabokov